15. Altenessen-Konferenz mit zweischneidigem Ergebnis bzgl. Sondermüllverbrennung Vogelheim

Die 15. AEK ist Geschichte, gestern kamen rd. 100 Personen in der Zeche Carl zusammen, um sich über die Themen Verkehr, Radwegenetze und Sondermüllverbrennung durch Harmuth/Lobbe in Vogelheim zu informieren und zu diskutieren.

Die Arbeitsgruppe, die vom Mitglied der Stadtteilkonferenz Klaus Barkhofen moderiert wurde, war erhellend oder man muss besser „verdunkelnd“ sagen. Denn was uns die Experten in einer leider nur 12 TeilnehmerInnen großen Gruppe vortrugen und diskutierten war alles andere als leichte Kost. Die Experten vom BUND Martin Kaiser (C) Martin Kaiserund ein ehemaliger Abfallberater der Städte brachten mit dem Streiter der ersten Stunde gegen die Müllverbrennung im Essener Stadthafen, Peter Wallutis, einige negative Aspekte zu Tage.
Die derzeit existierende Anlage wurde 1988 gebaut und Mitte der 2000er Jahre an die Fa. Harmuth in den Stadthafen verkauft. 2007 wurde sie ertüchtigt und letztlich 2014, auch nach mehreren negativen Vorfällen, aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt.
Die Firmen Harmuth und Lobbe (Iserlohn) wollen aber nun, u.a. damit die Genehmigung nicht gänzlich verfällt, die Anlage kurzfristig wieder hochfahren, allerdings unter erheblich anderen Voraussetzungen. Dazu gab es bereits einen sogenannten Scoping Termin bei der Bezirksregierung. Ein förmlicher Antrag wurde jedoch bisher (noch) nicht gestellt.

➡ So wird die Menge der zu verbrennenden Stoffe wohl drastisch steigen und zwar von damals 26.000 t auf nunmehr wohl ca. 50.000 t. Das bedingt, neben der Luftbelastung, unter anderem auch doppelt so viel An- und Ablieferungsverkehr der Kipper mit vrmtl. Planenabdeckung auf der Daniel-Eckhard-Str. und anderswo.
➡ Viel schlimmer ist, dass die Art der zu verbrennenden Stoffe nicht nur in Quantität sondern auch in Qualität zunehmen. So wird die Anzahl der gefährlichen und sehr gefährlichen Stoffnummern, also das was verbrannt werden soll, insbesondere PCB, wohl um rd. 50% ansteigen!
➡ Die aus 1988 stammende und 2007 ertüchtigte Anlage hat derzeit eine Verbrennungsanlage, die gerade einmal Temperaturen um 850 Grad Celsius schafft. Neue, gefährliche Abfälle müssten aber bei mind. 1200 Grad Celsius verbrannt werden. Stellt sich also die Frage, inwieweit die Anlage überhaupt modern genug ist. Für eine neuerliche Ertüchtigung, zu einer Anlage von moderner und umweltverträglicher Ausstattung, müssten die Betreiber erheblich finanzieren und das wird wohl eher nicht passieren. Die vom Betreiber wohl avisierten 5 Mio. € Investitionskosten, reichen vrmtl. gerade einmal für die Mindestertüchtigung der aktuellen Situation.

Damit wir uns nicht missverstehen, Fa. Harmuth und Lobbe, bzw. deren Betreibergesellschaft EVA, haben das legitime Recht dazu, eine Gewerbeanlage im Stadthafen zu betreiben, aber unser Recht als AnwohnerInnen muss es auch sein, dass dort umweltfreundliche und modernste Technik eingesetzt wird, damit die Bevölkerung insbesondere östlich der Anlage (also Vogelheim, Altenessen, Karnap, Bochum, Herne etc.) keinen Schaden nimmt, denn der Wind bläst i.d.R. zu 80% aus westlichen Richtungen.
Die Schaffung von vorauss.15 Arbeitsplätzen kann deshalb kein Argument für ein Wiederanfahren der Anlage nur aus wirtschaftlichen Gründen sein, auf Kosten der Allgemeinheit.

Politisch muss u.a. auf eine Änderung des Bebauungsplanes für den Stadthafen hingewirkt werden, der detailliert definierte Einschränkungen für Schadstoffe emittierende Firmen verfestigt.

Um hier einigermaßen schlagkräftig und widerstandsfähig zu sein, wird es aus der Konferenz heraus eine Gruppe geben, die sich als Nukleus für den Bürgerprotest aufstellen wird. Diese wird noch im März mit inhaltlicher Unterstützung des BUND Ihre Arbeit aufnehmen.

➡ Eine Aufgabe wird sein, der Bevölkerung klar zu machen, dass es hier nicht um „Kindergarten“ geht, sondern um eine möglicherweise bedrohliche Situation für die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger im Essener Norden!
➡ Des weiteren muss, sobald der Antrag der Betreiber vorliegt, der Bürgerprotest in Einsprüchen gegen den Betrieb kanalisiert werden. Einsprüche müssen formuliert und eingereicht werden und das innerhalb 6 Wochen nach der Antragstellung, resp. der Veröffentlichung der „Öffentlichkeitsbeteiligung“ (4) durch die Bezirksregierung. Den Ablauf des Genehmigungsverfahren (Quelle: BUND/BezrReg Detmold) haben wir hier nebenan einmal dargestellt.

Wir hoffen Ihnen/Euch einen ersten Einblick in die doch prekäre Situation gegeben zu haben und freuen uns auf Ihre/Eure Teilnahme am Bürgerprotest.

💡 Wir werden an dieser Stelle weitere Infos veröffentlichen! Wer sich einstweilen noch tiefer einlesen möchte, dem/der wird die Internetseite des BUND Kreisgruppe Essen empfohlen.

Noch einmal zur Klarstellung: Niemand hat etwas gegen eine umweltverträgliche, moderne und sichere Verbrennung von Schadstoffen, irgendwo muss es ja passieren, aber nicht mit maroden Anlagen auf Kosten der Bürger und Bürgerinnen!

 

 

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